Thursday, August 08, 2013

Prioritäten setzen?! No problem wallah.


Und was würdest du tun, wenn du nur noch einen Tag zu leben hättest? Ich würde ein Buch schreiben. Jawohl das würde ich! Einfach, weil ich genug gelesen hätte, genug erfahren, erlebt, gesehen und probiert. Und das, obwohl ich mit meinen 25 Jahren genauso alt wäre wie alle anderen 25-Jährigen und ein genauso verwöhntes bafögbeziehendes Wohlstandskind ohne wahre Bildung wäre. Ich hätte zwar immernoch keine Ahnung von Literaturgeschichte, geschweige denn von Geschichte, bis auf ein paar Schlachten aus der islamischen Frühzeit, über die ich detailreich und völlig emotionslos (so wie es der trockene Geschichtsunterricht an Berliner Universitäten gebietet) berichten könnte. Meine Nächte hätte ich genauso sinnerfüllt in teuren Plagiaten der 20er Jahre Kneipen verbracht wie alle anderen Millennials, hätte mir genauso viel auf meine hoch-intellektuellen, ausdauernden Hipster Diskussionen eingebildet und genauso viel Rotwein aus Eimern gesoffen. All das wäre jedoch völlig bedeutungslos, denn ich würde ja einfach die Wut aus mir herausschreiben, die mir seit meiner Geburt den Magen verätzt. Ich würde einen Schrei schreiben, so laut dass Pierre Vogel im selben Moment von seiner selbstgebauten Pappkanzel in die düstere Finsternis Kölscher Aufklärung stürzen würde. Und mit ihm eine ganze Generation verzweifelter Pro- und Antisarazenen. Wegschreien würde ich sie! Durch stinkenden Psalmendunst würde er fallen, der aufsteigt aus minaretthohen Giftkelchen entlang von fratzenbemalten Höhlenwänden voll tollwütiger Großayatollahs mit geflochtenen Bärten aus den gespaltenen Zungen erfrorener Exegeten. Sanft und zufrieden würde er dann von seinen Engels-Flügeln aus vergilbten Koranseiten durch die behagliche Dunkelheit gottgewollter Unmündigkeit getragen, gefolgt von seinen hunderten flügellosen Schafen, um schließlich alle stoned vom inhalierten Nebel der Heuchelei in Reih und Glied vom erbarmungslosen Felsen der Vernunft aufgespießt ins nicht existente Jenseits zu verschwinden. Erscheint dem Leser das konstruiert? Nun, ich würde in Anbetracht der Kürze meiner verbleibenden Zeit wohl nicht dazu kommen einen ausgefeilten Stil zu entwickeln, geschweige denn auf Inhalt und Form zu achten wie es mich fünf Jahre strengwissenschaftlichen Schreibens gelehrt haben sollten. Ein Affront gegen die waltende Perfektionsismuswut all jener genialen Schriftsteller, die ich ja ohnehin nicht kenne.

Die Geschichte beginnt.